Geschichte

1993. Nachwendezeit in Leipzig. Es sind Schauspieler des Theaterhauses Jena, die zu dieser Zeit ein brachliegendes Gebäude mit Veranstaltungssälen auf der Karl-Heine-Straße entdecken. Die Idee eines Theaters im bis dahin weitgehend vernachlässigten und wenig Perspektiven bietenden Leipziger Westen wird geboren und schon kurze Zeit später das ehrgeizige Projekt gestartet, dieses in Vergessenheit geratene Haus so instand zu setzen, dass es für die ambitionierten Ideen des mittlerweile gegründeten Vereins für „Internationale Theatererkundungen“ Basis und Bühne bieten kann. Es dauert ein gutes Jahr ehe sich die Türen der Schaubühne Lindenfels zum ersten Mal öffnen und den jahrelang vergrabenen Charme des Gebäudes preisgeben. Die Saison öffnet am 15. September 1994 mit einer ersten Theaterinszenierung und Kinovorführung. In den Jahren darauf etabliert sich die Schaubühne als Standort für Kulturveranstaltungen und Theaterprojekte jenseits des Stadtzentrums.

2002 - der damalige Vermieter muss Insolvenz anmelden - wird der Erwerb der Immobilie durch die Betreiber der Schaubühne zur Voraussetzung für eine langfristige Sicherung des Kulturstandortes. Mit Gründung der gemeinnützigen Aktiengesellschaft zum Kauf der Immobilie und als Träger des Produktionshauses startet 2005 ein Experiment mit kulturpolitischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Relevanz. Inzwischen zählt das erste deutsche Aktientheater mehr als 1200 Aktionäre - eine Publikumsgesellschaft im mehrfachen Sinn.

Geschichte vor 1990

1876
Bau der heutigen Schaubühne Lindenfels als Gesellschaftshalle für Tanzveranstaltungen vom Maurer Carl Schmidt, der zuvor eine Gastwirtschaft in der Karl-Heine-Straße (bis 1893 Leipziger Straße) betrieben hatte.

1892
Erweiterung des Ballhauses durch eine „Concertgarten-Anlage“ mit Laubengängen im Kolonialstil durch Theodor Wezel, der das Haus 1899 an Johann Max Nohke verkaufte.

1900
Wiedereröffnung als „Gesellschaftshalle zu Lindenau“ zusammen mit dem heutigen Westflügel. Dieser wurde im Auftrag Max Nohkes vom Gründerzeit-Architekten Emil Franz Hänsel (Architekt des Messepalasts „Specks Hof“) entworfen.

1904
Zwangsversteigerung an den Teilhaber der Dampfbrauerei Zwenkau Otto Besser. Dieser benennt das Etablissement in „Schloss Lindenfels“ um. Ab 1906 bietet er Kino an und 1907 „Öffentliche Theatralische Veranstaltungen“.

1913
Regulärer Kinobetrieb durch den Kinobesitzer Joseph Fey.

1931 - 1945
Arthur Stoppe ist Pächter und zeigt Kino- und Propagandafilme.

1943
Ein Teil des Lindenfels-Komplexes, der Westflügel, wird an die Blechwaren– und Ofenrohrfabrik Frölich verpachtet und umgebaut. Die Fabrik produziert bis etwa 1975. Daraufhin steht das Gebäude etwa 20 Jahre lang leer.

1949
Die heutige Schaubühne wird zum Volkseigenen Betrieb, dem „Lichtspieltheater Lindenfels“ umgewandelt. 1956 wird der Ballsaal mit Sprelacartplatten saniert.

1987
Schließung des Hauses aufgrund einer Heizungshavarie.

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