Programm

Heute

20:00 UHR  Leipzig-Filmpremiere Tao Jie - Einfaches Leben
22:00 UHR  Film Mittsommernachtstango

Nora Roman

war Weltreisende, Abenteurerin, Feministin, Muse und Inspiration zahlreicher Künstlerinnen und Künstler. Ihr genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert. Sie stammt aus der Gegend von Genua, verließ ihr Elternhaus mit 19 Jahren, als sie gegen ihren Willen mit einem Freund ihres Vaters verheiratet werden sollte. Sie floh vor ihrer Familie nach Berlin. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Modell zunächst im Berlin und später im Paris der Zwanziger Jahre. So wurde ihr Pseudonym wahrscheinlich nicht nur von ihrer italienischen Herkunft, sondern auch vom bekannten Treffpunkt der Berliner Bohéme dem Romanischen Café inspiriert. In Berlin lernte sie aber auch Clara Zetkin kennen und kam mit der revolutionären Arbeiter- und Frauenbewegung in Kontakt. Sie engagierte sich in der sozialistischen Arbeiterhilfe und sorgte mit manchem einfachen aber köstlichen italienischen Gericht für Abwechslung in den Suppenküchen der Hilfsorganisation. In Paris gehörte sie zum Kreis um die Surrealisten, so ist sie in einer der Straßenszenen von Buñuels und Dalis "Un Chien Andalou" ("Ein andalusischer Hund") von 1929 zu sehen. Sie beteiligte sich 1935/36 auf der Seite der Republik am spanischen Bürgerkrieg. Dort begegnete sie Hemingway, der die "mutige Italienerin" in seinen Erzählungen verewigte. Ihre Wege sollten sich später auf Cuba noch einmal kreuzen. Zunächst kehrte sie aber nach Paris zurück.

Nach der Okkupation Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht verließ sie Europa über Portugal. In Lissabon verschaffte ihr der mexicanische Diplomat Renato Leduc, der spätere Mann von Leonora Carrington, ein Visum für Mexico. Dort war sie Mitstreiterin und Modell der ebenfalls aus Italien stammenden Fotografin und Revolutionärin Tina Modotti. Als Tina Modotti 1942 unter mysteriösen Umständen im Alter von nur 45 Jahren stirbt, verläßt sie Mexico. Es folgt ein rastloses Leben ohne Heimat über das nur wenig bekannt ist.

Anne Morrow Lindbergh, Frau des berühmten Ozeanfliegers, die selbst zahlreiche Reisen rund um die Welt unternahm, erwähnt sie in ihren Erinnerungen "Gift of the Ocean": "Die Begegnung war unerwartet, sie lebte ein anderes Leben, ohne Zuhause, ohne Mann, ohne Familie. Ihre Klarheit bezauberte mich und gab zugleich Rätsel auf... Am Abend kochte sie für uns und erzählte von ihrer unerreichbaren Heimat... Am nächsten Tag erfuhren wir, sie sei ohne ein Wort verschwunden..." Nora Romans Spur verliert sich schließlich in den Wirren des Zweiten Weltkrieges. Obwohl sie kein künstlerisches Werk hinterlassen hat, ist sie doch in zahlreichen Museen präsent. Sie hat durch ihr Leben Zeichen gesetzt und manches unsterbliche Werk inspiriert. Als Namenspatronin unseres Restaurants sollen ihr Andenken, ihre Lebensart und ihre Rezepte bewahrt bleiben.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Katrin Reichert unter noraroman[ät]schaubuehne.com