Büchner Zyklus
Anatomie Woyzeck - Teil II
Theater trifft Wissenschaft | In der ehemaligen zentralen Hinrichtungsstätte der DDR

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Die Fotos zeigen Teil I, der am 23.9.17 im Hörsaal der Anatomie stattfand.

Georg Büchner ist nicht nur durch sein literarisches Werk und sein politisches Engagement im kulturellen Gedächtnis geblieben, sondern auch durch seinen wissenschaftlichen Blick auf die Welt. Er war Anatom in doppelter Hinsicht: Sowohl mit dem „anatomischen als auch dem literarischen Skalpell (schnitt er) ins Fleisch des Körpers und der Gesellschaft (…), um die verborgenen Ursachen der Phänomene hervorzukehren“ (Prof. Dr. Michael Hagner, NZZ). Seine Arbeitsweise war wie in seinen naturwissenschaftlichen Studien und Experimenten auch im Schreiben eine forschende, welche ihn immer wieder zu der Frage führte, die er in „Dantons Tod“ formuliert und in „Woyzeck“ auf die Spitze treibt: „Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet?“

In einer vierteiligen Reihe von Lecture Performances und Installationen an ungewöhnlichen, ansonsten nicht frei zugänglichen Orten versucht das Schau-Ensemble mit Diskursen und Stimmen aus verschiedenen Fachrichtungen, dem Komplex Woyzeck wissenschaftlich und künstlerisch auf die Spur zu kommen.

Nachdem in Teil I im alten Hörsaal der Anatomie Büchners medizinische Perspektive in seinem Drama „Woyzeck“ dargestellt wurde, widmen wir uns in Teil II unterschiedlichen Aspekten der Bestrafung und der (politischen) Macht. Die Hinrichtung des historischen Vorbilds Johann Christian Woyzecks kann – nachdem er schon damals von vielen Experten als nicht zurechnungsfähig eingestuft wurde – als politisch gewollter Justizmord gesehen werden. Wie erscheint diese Form von Machtausübung bzw. Machtmissbrauch aus heutiger Sicht, angesichts vieler vergleichbarer Fälle in der jüngeren Geschichte und im Hinblick auf die anhaltende Debatte um die Todesstrafe? Was erfahren wir über das Funktionieren von Macht und Kontrolle in der „Heterotopie“ (Michel Foucault) eines Gefängnisses und einer ehemals geheimen Hinrichtungsstätte inmitten eines Wohngebiets? Der Ort – die ehemalige zentrale Hinrichtungsstätte der DDR und die Geschichte(n) einiger Delinquenten werden in dieser begehbaren Installation mit Büchners Dramentext und Foucaults Theorien zum Verhältnis von Raum und Macht verbunden.

Weitere Veranstaltungen der Reihe:
Teil III - Natuerkundemuseum: Mi, 31. Jan 2018, Lortzingstraße 3

Ein Projekt der Schaubühne Lindenfels in Kooperation mit der Universität Leipzig – Institut für Theaterwissenschaft, dem Museum in der "Runden Ecke" und der der Medizinischen Fakultät – Institut für Anatomie der Universität Leipzig. Gefördert durch die ERES-Stiftung München und die Rudolf-Augstein-Stiftung.

Mi / 29.11. / 19:00

Abendkasse: 5 €

Um Reservierung wird gebeten.
Unter service@schaubuehne.com oder 0341-484620

Ehemaligen zentrale Hinrichtungssttätte der DDR, Arndstraße 48. 


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