SCHAU-Ensemble
Landschaft mit Königstöchtern
Medea, Pocahontas und die anderen | 3. + 4. März

© Gábor Hollós© Gábor Hollós© Gábor Hollós© Gábor Hollós© Gábor Hollós© Gábor HollósVideo

"Es staunt die Tochter Agenors, dass er so herrlich erscheint und nichts Feindseliges vornimmt. ... Schon wagt die erhabene Jungfrau, dem Stier auf dem Rücken zu sitzen. ... Und es flattern, gewölbt vom Winde, die Kleider." (Ovid, Metamorphosen)

Man muss nicht Ovid gelesen haben, um jenem Stier zu begegnen, in den sich Zeus verwandelt hat. In dessen Gestalt er die phönizische Königstochter Europa nach Kreta entführt, sie vergewaltigt und mit ihr den bedeutenden König Minos zeugt. Wir treffen den Stier heute in Straßburg vor dem Europäischen Parlament, finden ihn im Portemonnaie als 2-Euro-Münze oder auf einem Trip ins kunsthistorische Museum. Unreflektiert wird so die Geschichte der Namensgeberin unseres Kontinents zum beliebten Fotomotiv einer verspielt klingenden Erzählung aus der Wiege unserer abendländischen Kultur.

Seit 4000 Jahren werden die antiken Mythen tradiert, konsumiert und bis in die Gegenwart fortgeschrieben, als erotische Geschichten, erhabene Gesänge, großes Theater einer Hochkultur, salon- und schlafzimmertauglich. Nur zaghaft hebt sich hin und wieder der Vorhang für eine kritische Kultur- und Geschichtsbetrachtung. Dabei zeigen unsere Mythen, die nicht klar von der Realgeschichte zu trennen sind, erstaunliche Parallelen auch zu späteren Akten von Landraub und Kolonialismus.

Inspiriert von dem „Buch der Königstöchter" des Kulturkritikers Klaus Theweleit nehmen wir einen diskursiven Blickwinkel ein. Verharmlost als göttlicher Wille eines Zeus, Poseidon oder Apollon, kann man hinter dem Raub einer Helena die Verschleierung kolonialer Landnahme und die Auslöschung anderer Kulturen lesen - ausgeführt über die Körper von Frauen. Frauen, die eine ambivalente Rolle zwischen Opfer, Helferin und Verräterin einnehmen - in den Erzählungen aus der Perspektive der Sieger.

Wir lassen sowohl antike Königstöchter als auch amerikanische Pendants aus der Realgeschichte zu Wort kommen. Medea, Kassandra, Dido, Ariadne, Pocahontas und Malinche holen uns ins Heute und legen nahe, dass das Prinzip männlich dominierter Geschichte in Form von Krieg und Gewalt kaum auf ein Happy End hoffen lässt.

Regie: René Reinhardt
Bühne, Kostüm: Elisabeth Schiller-Witzmann
Spiel: Johannes Gabriel, David Jeker, Laila Nielsen, Mario Rothe-Frese, Anka Baier-Liebe (als Gast), Verena Noll (als Gast)

Dramaturgie: Friederike Köpf
Regie-, Dramaturgiehospitanz: Katherin Bryla

Video, Sound
, Technik: Jan Ehrlich
Licht: Benjamin Henkel

Das SCHAU-Ensemble hat sich 2011 als Kollektiv professioneller Theatermacher in Leipzig gegründet, um von der Schaubühne als Arbeitsort und Basislager aus Theaterprojekte zu entwickeln. Dabei nutzt es die spezifische Atmosphäre des Hauses sowie dessen interdisziplinäre Ausrichtung, um das gewohnte frontale Verhältnis von Zuschauern und Bühne aufzubrechen und Theater deutlich als ein interaktives Medium direkter Begegnung erfahrbar zu machen. Seine Inszenierungen changieren zwischen Zimmertheater und Großer Form, Theaterwanderung und Sitzplatztheater.

Bisherige SCHAU-Produktionen:

- „Ein 29. Februar" (2012), nominiert für den Leipziger Bewegungskunstpreis
- „Die Spieler" nach F. M. Dostojewskij und Jean-Luc Godard (2013)

- „Camus" (2014), nominiert für den Leipziger Bewegungskunstpreis
- „Brodsky" (2015)

Veranstaltung liegt in der Vergangenheit

Online Ticket

im Ballsaal

Vorverkauf in der Schaubühne, online und an allen bekannten VVK-Stellen: 12 Euro

Abendkasse: 15 / 12 (ermäßigt) / 8 (Schüler & Studenten) Euro

Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.


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