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„In der Stratosphäre von allen vergessen, bellt eine Hündin hinter dem Guckloch: Erde, Erde hier spricht ein Lebewesen.“

Drei Gestalten auf der Passage durch die Eiswüste: „Da verbrennt die Zeit, stark unter Null gefallen, dein Hirn.“ Die Huskys aufgegessen, der höchste Breitengrad erreicht. Antarktis, All oder innere Landschaft. Die Fahne ausgebleicht. Der Rückweg kein erreichbares Ziel. Nur Schreiben, damit Spuren bleiben aus der Verbannung, dem Exil.

Die Poesie des Nobelpreisträgers Joseph Brodsky ist durchdrungen von Bildern des Nordens, der Kälte und des namenlosen Raums. Durch dieses eisige Terrain treiben ein Musiker, eine Tänzerin und ein Schauspieler auf dem schmalen Grat zwischen Verzweiflung, Hoffnung und Aufbegehren.

Basierend auf der Theaterproduktion „Letzte Verse aus dem Eis“, entsteht die Serie im Januar-Lockdown im Ballsaal der Schaubühne und geht zum 25. Todestag von Joseph Brodsky am 28. Januar auf Sendung.

Bekanntgabe der Termine und Details zum Streaming demnächst hier.

 

Mit: Elena Francalanci, Michael Büschelmann, René Reinhardt
Texte: Joseph Brodsky
Regie: René Reinhardt

Bühne: Lisa Schiller-Witzmann
Video: Thadeusz Tischbein
Musik: Michael Büschelmann
Licht, Sound: Benjamin Henkel

Eine Produktion der Schaubühne Lindenfels.

 

„Wie Brodsky mit Sprache den Wert des Einzelnen gegen die Normierungen durch die herrschenden Verhältnisse verteidigte, machte ihn sowohl in der Sowjetunion als auch in den USA zum Heimatlosen. So springt er in seinen Texten rasant zwischen Distanz und Nähe, schafft Momente schärfster Ironie, während schon der nächste Vers direkt ins Herz trifft.“ (Regisseur René Reinhardt)

„Was in 'Letzte Verse aus dem Eis' wirkt, ist ein Resonanz- und Assoziationsgeflecht aus Tanz, Sprache, Klang und Bild, das sich dieser Lyrik verdankt und das diese Inszenierung in einen geradezu somnambulen Zustand versetzt, in einen Zustand wie 'hellwach am Rande des Schlafs'." (LVZ über die Theaterpremiere im Februar 2020)

 

Joseph Brodsky wurde am 24. Mai 1940 als Sohn jüdischer Intellektueller in Leningrad geboren. Bereits seine ersten veröffentlichten Gedichte Anfang der 1960er Jahre fanden ein begeistertes Publikum. 1964 verschwand er wegen „Parasitentums" im Arbeitslager, 1972 wurde er aus der Sowjetunion ausgebürgert. Mit Hilfe des Schriftstellers W. H. Auden emigrierte Brodsky in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1977 annahm. Seine Gedichte schrieb er weiterhin – mit einigen Ausnahmen – in Russisch, daneben viel beachtete Essays in Englisch. Er lehrte an verschiedenen Universitäten, wurde 1987 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet sowie 1991 zum "poeta laureatus" Amerikas gekürt. Am 28. Januar 1996 starb Brodsky in New York. Sein Grab befindet sich in Venedig, das zu seinem Lieblingsort auf Erden wurde.

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