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Neun Gedichte von Joseph Brodsky, verfilmt in neun kurzen Kapiteln mit einer Performerin, einem Musiker und einem Schauspieler: Anlässlich des 25. Todestages des Literaturnobelpreisträgers am 28. Januar 2021 haben wir unsere erste Miniserie gestartet. Die neun Folgen erschienen im Wochenrhythmus und sind nun alle online zu sehen.

Nicht nur die Linien, die Zeilen, die unreinen Reime, sogar die Zeit kann im Nebel verschwinden. Und Menschen an einem der Pole. Oder am Ende der Einsamkeit. Manche sind außer Reichweite, noch bevor du gewählt hast. Du flüsterst Sprechmuschel-Akte, die Finger ins Kabel geknotet, ihre Lippen vor Augen begehrst du ihr Ohr. Vielleicht bleibt ja für immer eine Ton-Spur im Hörer zurück, die ein Diensthabender einst archiviert. Oder ein Funkamateur fischt beim Angeln nach SOS-Signalen als Beifang dies Fern-Gespräch auf. Die gefrorene Zeitform am Haken. Anfangen können sie nichts damit. Wie auch wir keinen Anfang mehr finden. Rückblicke schneidet der Nebelfilm ab. Als Stilmittel taugt nur der Tagtraum: Dein Hauch sehr sehr nah hat das alles gemacht.


Komplette Miniserie hier!


Die Folgen und die Daten ihrer Veröffentlichung:

28. Jan | 20.30 Uhr: Kapitel 1: San Pietro
4. Feb | 20.30 Uhr: Kapitel 2: Der Polarforscher
11. Feb | 20.30 Uhr: Kapitel 3: A Song
18. Feb | 20.30 Uhr: Kapitel 4: Haltestelle in der Wüste
25. Feb | 20.30 Uhr: Kapitel 5: An G.P.
4. März | 20.30 Uhr: Kapitel 6: Verse von der Winterkampagne des Jahres 1980
11. März | 20.30 Uhr: Kapitel 7: In a room and a half
18. März | 20.30 Uhr: Kapitel 8: In memoriam Fedja Dobrowolsky
25. März | 20.30 Uhr: Kapitel 9: Große Elegie an John Donne
22. April | 20.30 Uhr: специальный выпуск: Kapitel 4 | in russischer Sprache
22. April | 20.30 Uhr: специальный выпуск: Kapitel 5 | in russischer Sprache

 

Mit: Elena Francalanci, Michael Büschelmann, René Reinhardt
Buch und Regie: René Reinhardt, Thadeusz Tischbein
Kamera und Montage: Thadeusz Tischbein
Musik: Michael Büschelmann
Set- und Kostümdesign: Lisa Schiller-Witzmann
Crew: Henriette Albrecht, Benjamin Henkel, Maryna Ianina, Sophie Wolf

 

Mit „Brodsky …Ferngespräche“ führt die Schaubühne Lindenfels ihre Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk des russisch-amerikanischen Dichters Joseph Brodsky fort. Vorausgegangen sind die Theaterproduktionen „Brodsky“ (2015) und „Letzte Verse aus dem Eis“ (2020).

„Wie Brodsky mit Sprache den Wert des Einzelnen gegen die Normierungen durch die herrschenden Verhältnisse verteidigte, machte ihn sowohl in der Sowjetunion als auch in den USA zum Heimatlosen. So springt er in seinen Texten rasant zwischen Distanz und Nähe, schafft Momente schärfster Ironie, während schon der nächste Vers direkt ins Herz trifft.“ (Regisseur und Schauspieler René Reinhardt)

 

Joseph Brodsky wurde am 24. Mai 1940 als Sohn jüdischer Intellektueller in Leningrad geboren. Bereits seine ersten veröffentlichten Gedichte Anfang der 1960er Jahre fanden ein begeistertes Publikum. 1964 verschwand er wegen „Parasitentums" im Arbeitslager, 1972 wurde er aus der Sowjetunion ausgebürgert. Mit Hilfe des Schriftstellers W. H. Auden emigrierte Brodsky in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1977 annahm. Seine Gedichte schrieb er weiterhin – mit einigen Ausnahmen – in Russisch, daneben viel beachtete Essays in Englisch. Er lehrte an verschiedenen Universitäten, wurde 1987 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet sowie 1991 zum "poeta laureatus" Amerikas gekürt. Am 28. Januar 1996 starb Brodsky in New York. Sein Grab befindet sich in Venedig, das zu seinem Lieblingsort auf Erden wurde.

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