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Welche Auswirkungen hat unsere heutige Lebensweise auf zukünftige Generationen? Wird der Ausstieg aus Kohle und Atom auch den Ausstieg aus Benzin und Diesel bedeuten? Wie werden die gesellschaftlichen Diskussionen bei uns und unseren Nachbarn in Frankreich geführt?

Fragen, denen sich Grand ReporTERRE #4 Deadline stellt - eine Produktion von Citizen.KANE.Kollektiv (Stuttgart), Théâtre du Point du Jour (Lyon) und der Compagnie des Lumas (Lyon), koproduziert von der euro-scene Leipzig und der Schaubühne Lindenfels, in Zusammenarbeit mit der Journalistin Julia Lauter entstanden: eine investigative Recherche, die sich mit Kohle- und Atomkraftwerken rund um Leipzig und Lyon und der Automobilindustrie in Stuttgart beschäftig.


English: What are the effects of our current way of life on future generations? A French-German artistic team and the journalist Julia Lauter negotiate in DEADLINE the ecological and economic connections around coal energy in Germany and the nuclear industry in France against the background of global warming.

Ein Gespräch mit Andrea Leonetti und Loïc Risser

Ein Jahr intensiver Recherchearbeit stecken in dem Projekt, etliche Zoom-Meetings, Interviews und Textarbeiten. Das alles musste schließlich, zwei Wochen vor der Premiere, zu einem Ganzen zusammengesetzt werden, in eine Form gegossen. Die konzentrierten Probearbeiten fanden eine Woche lang auf der Probebühne der Schaubühne Lindenfels statt, bevor es für die finalen in den Ballsaal ging.

In dieser „heißen Phase“ sprachen wir mit Andrea Leonetti (Citizen.KANE.Kollektiv) und Loïc Risser (Théâtre du Point du Jour) über das aktuelle Projekt Grand ReporTERRE #4 Deadline. Wie kam es zu dieser deutsch-französischen Zusammenarbeit? Was hat es mit Grand ReporTERRE auf sich? Und wie lässt sich das Thema Umweltschutz transportieren, ohne zu moralisieren?

„Wir versuchen sichtbar zu machen, dass wir gemeinsam nach Lösungen suchen müssen, dass wir keine Antworten haben. Wir können nur Angebote machen.“

— Andrea Leonetti, Citizen.KANE.Kollektiv

Das Citizen.KANE.Kollektiv sind Künstler:innen aus dem Bereich der performativen und darstellenden Kunst. Es verfolgt seinen eigenen künstlerischen Ansatz und erarbeitet Theaterproduktionen mit Bezug zu aktuellen Themen. Dabei sollen immer wieder neue Definitionen kollektiven, künstlerischen Arbeitens gefunden werden. Ein wesentliches Merkmal ist das Zusammenspiel von Auftritt und Spielort – „site specific“, also ortsspezifisch nennt sich diese Verbindung. An den Spielorten spiegeln sich die Themen wider und umgekehrt und werden so in einen größeren Kontext eingebunden. Auch Grand ReporTERRE #4 Deadline, welches in Leipzig, Stuttgart und Lyon aufgeführt wird, besitzt einen dem Spielort spezifischen Fokus auf das Thema Umwelt, Nachhaltigkeit und Konsum.

Gemeinsam entstand ein Projekt mit dem Théâtre du Point du Jour, welches sich in seinen Arbeiten ebenfalls stets mit aktuellen und brisanten Themen auseinandersetzt und der Journalistin Julia Lauter. Sie schreibt unter anderem für die TAZ, Geo und Süddeutsche Zeitung Magazin. Bereits mehrfach wurde sie mit Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus 2021 und dem Recherchepreis Osteuropa (n-ost) 2019. Unter dem Artikel „Müll ist eine menschliche Erfindung" fluter, Oktober 2021 bekommt man einen eindrucksvollen ersten Einblick in ihre Arbeit.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit darf auf jeden Fall neugierig machen und gespannt darauf, was uns an den Abenden sowohl in Leipzig als auch in Stuttgart und Lyon erwarten wird.

 

Uraufführung in der Schaubühne

— am 4. und 5. November 2021 im Rahmen der 31. euro-scene Leipzig —

Auf der Bühne zu sehen sind Interviews mit Arbeiter:innen, Wissenschaftler:innen, Aktivist:innen und dem größten Helden der menschlichen Kulturgeschichte: Prometheus. Wie Prometheus, wurden die Beschäftigten dieser Unternehmen erst als Helden gefeiert, die den Menschen Wärme, Strom und Mobilität brachten. Heute gelten sie als Umweltzerstörer:innen, die mit ihrer Arbeit im Zentrum der Aktionen von Umweltaktivist:innen stehen und angeprangert werden. Das Projekt betrachtet die prometheische Ambivalenz des wissenschaftlichen Fortschritts und die Notwendigkeit, unsere grenzenlosen Konsumwünsche zu zügeln, um den Klimawandel zu bremsen.

Unser Stück ist eine Selbstbeobachtung, wir werden uns selbst befragen, weil wir selbst diese ganze Energie produzieren, diesen Energieverbrauch verursachen…

Éric Massé, Inszenierung

Nach der Uraufführung der internationalen Koproduktion am 4. und 5. November in der Schaubühne folgt eine Tournee mit weiteren Vorstellungen im Schauspiel Stuttgart (12. November) und im Théâtre du Point du Jour in Lyon (21. bis 23. November).

Credits

Inszenierung: Citizen.KANE.Kollektiv, Éric Massé, Heidi Becker-Babel, Loïc Risser
Journalistin: Julia Lauter, freiberufliche Journalistin mit den Schwerpunkten Wissenschaft, Umwelt und soziale Bewegungen sowie Herausgeberin des Green Peace Magazine
Von und mit: Heidi Becker-Babel, Jürgen Kärcher, Simon Kubat, Andrea Leonetti, Eric Massé, Christian Müller, Loïc Risser, Maximilian Sprenger
Video und Fotos: Christopher Bühler, Maëlys Meyer, David Simmons
Ton und Video: Quentin Chambeaud, Reinhard Kopp
Produktion: Marion Bouchacourt

Eine Produktion von Citizen.KANE.Kollektiv (Stuttgart), Théâtre du Point du Jour (Lyon, Frankreich) und der Compagnie des Lumas (Lyon, Frankreich) in Koproduktion mit euro-scene Leipzig und Schaubühne Lindenfels, in Kooperation mit Schauspiel Stuttgart, gefördert von Stadt Leipzig – Kulturamt, Deutsch-französischer Bürgerfonds, Institut Français Lyon, Fonds Transfabrik, Nouveaux Horizons Baden-Württemberg Stiftung. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

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