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Bauer/Kalima/Drake + serenatas disponibles

Doppelkonzert anlässlich der 50. Leipziger Jazztage

Bauer/Kalima/Drake


Die Posaunenikone der ersten Festivalgeneration begegnet raffinierter Percussion-Perfektion und finnisch-berlinerischer Gitarrenvirtuosität – ein Gipfeltreffen improvisierter Musik.

Im Rock der Sixties erfand man den Begriff Supergroup für Formationen wie Cream oder The Dirty Mac, deren Mitglieder bereits in anderen Kontexten für Furore gesorgt hatten. Im Jazz ist dieser Begriff weniger gebräuchlich, weil Projekte viel mehr ad hoc entstehen. Auf das Treffen des deutschen Posaunisten Conny Bauer, des finnischen, in Berlin lebenden Gitarristen Kalle Kalima und des Chicagoer Schlagzeugers Hamid Drake wäre er aber absolut zutreffend. 

Die Namen und Projekte, mit denen Bauer (geb. 1943), Drake (geb. 1955) und Kalima (geb. 1973) während ihrer langen Laufbahnen Studio, Bühne und Tourbus geteilt haben, würden allein ein ganzes Programmheft füllen. Bauer gehörte zu den Wegbereitern der ostdeutschen Free-Jazz-Szene, die mit der freien Improvisation einen künstlerischen Kontrapunkt zum reglementierten Alltag im real existierenden Sozialismus setzten. Bereits bei den 1. Leipziger Jazztagen 1976 gastierte er mit der Formation FEZ. Und auch danach war er in verschiedenen Besetzungen immer wieder Teil des Festival-Line-Ups.

Hamid Drake zählt wiederum zu den Protagonisten der AACM, die nach immer neuen Scharnieren zwischen Tradition und Zukunft suchen. Und Kalima kommt aus einer Jazz-Auffassung, die stark von Rock, Filmmusik und anderen Genres beeinflusst ist, welche er mit viel Humor seziert und neu montiert. 

Was genau passiert, wenn diese Troika auf der Bühne steht, lässt sich nicht einmal dann erahnen, wenn man das Album »13 Kuukautta« von Bauer und Kalima kennt, denn Drake wird dieser Verbindung einen völlig anderen Dive geben. Doch eines lässt sich mit Sicherheit festhalten: Alle Drei stehen unabhängig von ihrer Generation und ihrem Background für einen bedingungslosen Freiheitswillen, der sich bei jeder Zusammenkunft neu und überraschend manifestiert.

Besetzung:
Conny Bauer (trb)
Kalle Kalima (e-git)
Hamid Drake (dr, perc)

 


 

serenatas disponsibles (Brandon López, Mat Maneri & Sun-Mi Hong)


Neues Projekt des New Yorker Bassisten mit hochkarätiger Besetzung: Populäre lateinamerikanische Anklänge, Polyrhythmik, Mikrotonalität und die Abwesenheit eines übergeordneten Konzepts. Was bleibt? Ein komplexes Gefühl, das die Menschen zum Tanzen bringen soll.

Als »Musik des Abends« lässt sich der Begriff der Serenade frei übersetzen. Im lateinamerikanischen Kontext weist er eine lange Tradition auf: In ihm drücken sich Liebe und Erinnerung, Abschied und Sehnsucht aus.

Dass sich Brandon López, Shooting-Star der New Yorker Avantgarde- und Improvisationsszene, mit seinem neuen Programm » serenatas disponibles« explizit auf die Serenaden bezieht, mag daher zunächst verwundern. Doch was den aus einer puerto-ricanischen Familie stammenden und in New Jersey aufgewachsenen Kontrabassisten an der musikalischen Tradition interessiert, ist weniger die fertige Form als vielmehr die Fragmentierung des musikalischen Materials. 

So erscheinen kleine melodische oder rhythmische Latin-Versatzstücke in der Neuinterpretation wie vage Erinnerungen aus einer fernen Vergangenheit. Gerahmt werden sie durch die für López typische polyrhythmisch-mikrotonale Experimentierlust, die gleichermaßen von Eleganz wie von seinem musikalischen Eigensinn zeugt.

Seine unverwechselbare Klangsprache hat sich in den vergangenen Jahren längst herumgesprochen: So kollaborierte er bereits mit Größen der internationalen Avantgarde-Szene, darunter John Zorn, Peter Evans und Ingrid Laubrock. Zudem machte er durch seine vielbeachtete Zusammenarbeit mit dem Dichter Fred Moten von sich zu reden, die von der New York Times 2022 als »Best of Jazz« auszeichnet wurde.

Für sein aktuelles Projekt konnte er nicht nur den legendären Viola-Spieler Mat Maneri gewinnen, sondern zugleich auch die südkoreanische Schlagzeugerin Sun-Mi Hong, die in den vergangenen Jahren international als gefeierte Bandleaderin in Erscheinung getreten ist. Im Zusammenspiel kreiert das Trio einen aufs Wesentliche reduzierten, atmosphärischen Klang. Ganz so, wie es für eine Musik des Abends angemessen scheint.

Besetzung:
Brandon López (db, comp)
Mat Maneri (viola) 
Sun-Mi Hong (dr)

Termine
Di. 20.10.2026 / 20:30 Uhr
Ballsaal

Eine Veranstaltung des Jazzclubs Leipzig im Rahmen der 50. Leipziger Jazztage in Kooperation mit der Schaubühne Lindenfels.

Tickets sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen in Leipzig sowie online über Eventim erhältlich.

Weitere Informationen unter:
www.leipziger-jazztage.de
 

Bei Besuch mit Rollstuhl bitte vorher Kontakt aufnehmen:
service@schaubuehne.com | 0341-4846210