Spielplan
QUEER CENTRAL EUROPE: Körper, Worte, Saunen
Ein literarischer Reiseführer durch unbekanntes Terrain. In der Schaubühne Lindenfels nehmen wir Sie mit auf eine Reise, die in Přerov in Mähren mit Marek Torčík beginnt. Sie setzt sich mit der intimen Selbstfindung von Marita Kelbl unter Begleitung der tschechisch-ukrainischen Poesie von Iryna Zahladko und den poetischen Texten von Antonín Zhořec fort und endet in Schwulensaunen mitteleuropäischer Metropolen mit Vratislav Maňák. Ein Abend voller Mut, Sehnsucht und Worte, die keine Angst vor Nacktheit haben.
18:45 - 19:35 Uhr Marek Torčík [Ballsaal]
WAS DIE ZEIT NICHT NIMMT
Ein nächtliches Gespräch mit der Mutter führt Marek wieder in seine Jugend. Zurück in eine Familie mit dysfunktionalen Mustern und in ein Umfeld, das Andersartigkeit bestraft. Als queerer Junge in einer konservativen Industriestadt ist Mobbing Mareks ständiger Begleiter. Und die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche von 1989 belasten nicht nur ihn, sondern die ganze Familie – in Form von Armut, Alkoholismus und Gewalt.
Melancholisch, fragil, vor allem aber hoffnungsvoll beschreibt Torčik die Identitätssuche eines jungen Mannes mit dem Mut, zu sich selbst zu stehen.
"Was die Zeit nicht nimmt" wurde bisher in 27 Sprachen übersetzt und ist der international erfolgreichste tschechische Roman seit Jahrzehnten.
19:00 - 20:30 Uhr Barbara Šalamounová / Maxipes Fík [Grüner Salon]
Illustrationen von Barbara Šalamounová und ihren Eltern
Es werden Illustrationen von Barbara Šalamounová sowie von ihren Eltern, Jiří Šalamoun (Autor von „MAXIHUND FIPS”) und Eva Natus-Šalamounová, vorgestellt.
EINTRITT FREI
19:45 - 20:45 Uhr Marita Kelbl + Iryna Zahladko [Ballsaal]
WEDER JUNGE NOCH MÄDCHEN
Lukáš spürt, dass die vertraute Ordnung des Schulhofs brüchig geworden ist: Die Mädchen schminken sich, die Jungen reden über Sport – nur für ihn scheint es keinen Platz zu geben. In einem stillen Moment zuhause tippt er die Worte „Ich bin weder Junge noch Mädchen“ in sein Handy und stößt auf Geschichten, die größer sind als alles, was er bisher kennt. Er entdeckt Kulturen, in denen Menschen seit Jahrhunderten jenseits des binären Geschlechtersystems leben: die Hidjras in Indien, die Muxes in Mexiko, die Burneša in Albanien oder queere Communities in New York.
Mit einer Mischung aus persönlicher Erzählung und anschaulicher Sachinformation bietet „Weder Junge noch Mädchen. Über die Suche nach sich selbst“ einen kindgerechten Zugang zu einem komplexen Thema. Das Buch erklärt ohne Zeigefinger queerer Identität, macht neugierig und zeigt, wieviel Kraft darin steckt, das eigene Selbst zu erkunden und Worte für das eigene Gefühl zu finden.
Das Buch wurde in Tschechien breit rezipiert, stand auf der Longlist der Magnesia Litera und gilt als wichtiger Beitrag zur queeren Kinder- und Jugendliteratur. Es ist gedacht für Familien, Schulen und Bibliotheken – überall dort, wo Kinder über Vielfalt, Geschlechterrollen und Zugehörigkeit sprechen wollen.
21:15 - 22:15 Uhr Vratislav Maňák [Ballsaal]
MIT WITTGENSTEIN IN DER SCHWULENSAUNA
Aspekte schwulen Lebens im heutigen Mitteleuropa In sieben Essays.
Aspekte schwulen Lebens im heutigen Mitteleuropa In sieben Essays reflektiert Vratislav Maňák Fragen schwuler Identität im 21. Jahrhundert und fragt, was es in unserem Kulturraum bedeutet, queer zu sein. In Budapest, Bratislava, Wien, Brünn, Prag und Berlin führt der Autor an Orte, die als gay spaces bezeichnet werden können, darunter ein Berliner Tanzclub, die seit Habsburger Zeiten existierende Herrensauna Kaiserbründl und das Foyer des Janáček-Theaters. Jede dieser Lokalitäten lädt zur Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen ein: Wo verlaufen die Grenzen von Männlichkeit? Wie erlebt ein schwuler Mann seinen Körper? Warum übt die Oper eine so große Faszination auf ihn aus?
Eine Veranstaltung von CZECHIA 2026 und der Schaubühne Lindenfels Leipzig mit der Unterstützung des Kulturministeriums der Tschechischen Republik.