Spielplan
Armenisches Kulturjahr in Leipzig
CALENDAR
RETROSPEKTIVE ATOM EGOYAN
Atom Egoyan ist mit drei Hauptpreisen beim Internationalen Filmfestival in Cannes, zwei Oscar-Nominierungen und vielen weiteren Preisen, einer der international meist gefeierten Filmregisseure unserer Zeit. Er wurde 1960 in Kairo als Kind armenischer Eltern geboren, die seinen Vornamen aus Anlass des Baus des ersten ägyptischen Atomreaktors wählten. Als er drei Jahre alt war, flüchtete seine Familie aufgrund politischer Konflikte nach Victoria in Kanada. Seine ersten drei Spielfilme NEXT OF KIN (1984), FAMILY VIEWING (1987) und SPEAKING PARTS (1989), die als lose Trilogie zusammengefasst werden können, befassen sich mit den Problemen nationaler und familiärer Identität. Die intelligente Auseinandersetzung mit Medialität sowie die Ästhetik der 1980er Jahre machen sie auch heute noch äußerst attraktiv. Die Auseinandersetzung mit seinen armenischen Wurzeln führt er in CALENDAR („Kalender, 1993) und ARARAT (2002) fort. Zur Homogenität seines Werks trägt dabei wesentlich die Zusammenarbeit mit einem fixen Team bei: Egoyans Ehefrau Arsinée Khanjian spielt in beinahe allen Filmen seines frühen und mittleren Werks mit, Mychael Danna komponiert die Filmmusik und Paul Sarossy führt die Kamera.
CALENDAR
Ein Fotograf und seine Frau reisen durch Armenien, um Aufnahmen von armenischen Kirchen für ein Kalenderprojekt zu machen. Als sich die Frau mit dem einheimischen Fahrer einlässt, wächst in ihrem Ehemann die Eifersucht… Der armenisch-kanadische Filmemacher Atom Egoyan setzt schon in FAMILY VIEWING die Videotechnik als Sinnbild der Entfremdung ein. In CALENDAR sind nur die Frau und der Fahrer zu sehen. Die Kamera verkörpert den entfremdeten Blick des Fotografen. „Die Idee der Nation fasziniert mich“, schreibt Egoyan. „Nehmen wir einmal an, eine Nation sei die Folge einer kollektiven Projektion. Dann wird klar, dass die Vorstellung des nationalen Territoriums eher ein psychologischer Begriff ist und weniger durch natürliche Grenzen bestimmt.“
Deutschland, Armenien 1993 von Atom Egoyan, 73 min., arm., engl. Originalfassung, mit engl. Untertiteln