Zum Hauptinhalt springen

Sommer 1897: Die Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung, kurz „STIGA“, zieht Millionen von Menschen an. Zahlreiche Vergnügungsangebote werden errichtet, technische Innovationen und Produkte auf einem gigantischen Areal mitten in Leipzig präsentiert. Die bis dahin größte Leistungsschau Mitteldeutschlands markiert die Wende von der Waren- zur Mustermesse. Und auch das Stadtbild Leipzigs soll sich nachhaltig verändert.

Sommer 2022. Warum begegnen wir Karl May im Clara-Zetkin-Park? Oder besser: Warum kehrt er hierher zurück?

Der durch seine Beschreibungen ferner Länder und fremder Kulturen berühmt gewordene Sachse May, der nichts davon mit eigenen Augen gesehen hatte, bekam in diesem Sommer 1897 in Leipzig eine unerwartete Gelegenheit, ins Fremde einzutreten. Für die „STIGA“ wurde nicht nur der heutige Park angelegt, auf dem Areal von über 400.000 Quadratmetern entstanden für einen Sommer neben einem gigantischen Industriepalast, zahlreichen Ausstellungsgebäuden, einer Kunsthalle und einem Theater auch ein „Ostafrikanisches Dorf“ und der „Basar von Daressalam“. In dem Dorf arbeiteten und wohnten Menschen aus Afrika, die zu diesem Zweck von Vertretern der deutschen Kolonialmacht „gecastet“ wurden. Sie sollten mit traditionellem Handwerk, Tanz und Gesang ein exotisches Bild von archaischer Fremde und Rückständigkeit erzeugen – einer Kultur, bereit für die Landnahme durch das sich überlegen fühlende Deutsche Reich und seiner weißen Untertanen.

Erst zwei Jahre später im April 1899 brach der Bestsellerautor zu seiner ersten wirklichen Weltreise auf und unterwegs – von der Realität überwältigt – zusammen. Seltsam verändert, kehrte er nach Sachsen zurück und erfand sich als Mystiker und Pazifist neu. Seine letzte Friedensrede hielt er im Beisein von Bertha von Suttner 1912 in Wien – zwei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg.

Jetzt kommt Karl May noch einmal zurück, doch diesmal mit Fiktionen, die nicht nur seine Perspektive abbilden. Künstler:innen verschiedener Disziplinen und von drei Kontinenten nutzen den historisch markierten Raum für eine mehrmonatige gemeinsame Online-Residenz und zur Präsentation ihrer künstlerischen Positionen. Gemeinsam mit ihnen unternimmt die Schaubühne Lindenfels den Versuch einer postkolonialen Aneignung von Geschichte und werden den Clara-Zetkin-Park als Bühne und Display nutzen. Zwischen Mai und Juli 2022 lädt die Schaubühne zu individuellen und gemeinschaftlichen Erkundungen mit digitalen Formaten und realen Interventionen vor Ort ein.

Start May Town in Zetkin Park

STIGARRR!: Grabungen im Clara-Park

The Cockpit Collective in Zetkin Park

„The Cockpit Collective” ist ein interaktives Format der Schaubühne Lindenfels, das im Frühjahr 2020 entwickelt wurde. Als digitales „Interface Theater“ bringt es Publikum und reale Personen aus Vergangenheit und Gegenwart ins Gespräch.

Bereits 2020 landete es – on air – auf dem Leipziger Markt.

Zu weiteren Informationen, Hintergründen und Interviews mit u.a. Franz Kafka und Karl May geht´s hier entlang.

Vernissage zur Ausstellung "Nati"

Finissage & Artist Talk

Credits & Informationen

Credits

Beteiligte Künstler:innen:

Soheil Boroumand, Alberto Bustamante, Johannes Gabriel, Eucaris Guillen, Meigl Hoffmann, Angela Kobelt, Kay Liemann, Salvo Lombardo, Juliana Márquez Villacís, Verena Noll, Kenji Paisley-Hortensia, Cristina Rizzo, Lisa Schiller-Witzmann, Pedro Sepúlveda Cruz Coke, Bastian Sistig, Thadeusz Tischbein, Isabel Tuemuna Katjavivi

Künstlerische Leitung: René Reinhardt
Projektleitung: Lisa Dressler
Projektleitung „The Cockpit Collective on air“: Clémentine Harpagès
Projektassistenz: Jennifer Krebs
Technische Leitung: Benjamin Henkel
Kuration und Moderation Online-Residence: Kathleen Bomani
Kuration Online-Residence: Julia Asperska
Digitale Entwicklung / Programmierung AR: Fundacja Axis Cactus (Leitung: Patryk Lichota)
Szenografie: Elisabeth Schiller-Witzmann

MAY TOWN IN ZETKIN PARK ist eine Produktion im Rahmen des Themenjahres 2022 „Leipzig - Freiraum für Bildung“ und Teil des Kulturprojektes „125 Jahre STIGA“.

Gefördert von der Stadt Leipzig, der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von „dive in. Programm für digitale Interaktionen" aus dem Rettungs- und Zukunftspaket der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien NEUSTART KULTUR, dem Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR und der Kulturstiftung der Länder. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

Die Teilnahme der Künstler:innen Cristina Kristal Rizzo, Kenji Paisley-Hortensia und Salvo Lombardo wird ermöglicht durch eine Kooperation von TIR DANZA, Chiasma und der Schaubühne Lindenfels im Rahmen von 18M8L - einem Projekt, unterstützt von Boarding Pass Plus 2021-2022.

Weitere interessante Themen

May Town in Zetkin Park - Spuren einer Ausstellung

|   Digital

Digitale und reale Interventionen entstanden im Rahmen einer mehrmonatigen Online-Residenz von internationalen Künstler:innen | 21. Mai bis 31. Juli 2022 im Clara-Zetkin-Park.

Weiterlesen

Online-Residenz: Die Akteur:innen von May Town in Zetkin Park

|   Digital

Hier gibt es mehr Informationen zu den künstlerischen Arbeiten.

Weiterlesen

,,Der Krieg ändert das Vokabular…" - Texte zum Krieg gegen die Ukraine

|   Gesellschaft

Verschiedene Autor:innen aus Belarus, Russland und der Ukraine versuchen ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Gemeinsam mit ihnen und der Schaubühne Lindenfels entsteht eine sich fortlaufend vergrößernde Textsammlung.

Weiterlesen
×