Spielplan
FRAUEN IN BERLIN
English version below
Für ihren Diplomfilm interviewte die indische Regiestudentin Chetna Vora insgesamt 14 Frauen aus unterschiedlichen sozialen Milieus über deren Lebensrealitäten in Ost-Berlin. Klandestin, häufig in privaten Wohnungen und von Kameramann Thomas Plenert in reduziertem Stil gefilmt sprechen die Frauen im Alter von 11 bis 83 Jahren offen, ungehindert und auf Augenhöhe mit der Regisseurin über dauerhafte Partnerschaft, Affären, Scheidung, gleichgeschlechtliche Beziehungen, Wohnen, Beruf, Muttersein und vieles mehr. Neben privatem und gesellschaftlichem Alltag kommen spätestens mit der Frage nach Glück und Desillusion auch die Grenzen des politische Systems und seiner Fortschrittsversprechen zur Sprache.
Der Entstehungskontext von FRAUEN IN BERLIN – ein Akt institutioneller Gewalt – hat sich in die materielle Überlieferung des Films eingeschrieben. Chetna Voras Alma Mater, die Hochschule für Film und Fernsehen der DDR, verlangte die radikale Kürzung des Films auf 30 Minuten Laufzeit. Nachdem Vora sich weigerte, zwang sie die Hochschule zum Abbruch und konfiszierte das Material. Erhalten geblieben ist eine heimlich hergestellte Kopie des eigenmächtig entwendeten Rohschnittmaterials, dessen digital restaurierte Fassung wir zeigen.
Einführung von Tobias Hering. Er ist Kurator sowie Publizist und hat in einer Langzeitrecherche zu Chetna Vora gearbeitet.
DDR 1981 von Chetna Vora, Dokumentarfilm, 142 min., deut. Originalfassung mit engl. Untertiteln
Im Rahmen des Festivals GEGENkino.
English Version:
For her graduation film, Indian film student Chetna Vora interviewed a total of 14 women about their everyday lives in East Berlin. Filmed clandestinely by cinematographer Thomas Plenert in a minimalist style, the women – aged between 11 and 83 – speak openly about long-term relationships, divorce, same-sex relationships, housing, work, motherhood and much more. Alongside their private and social daily lives, the film also addresses the limits of the political system through the themes of happiness and disillusionment.
Chetna Vora’s alma mater, the GDR’s Academy of Film and Television, demanded that the film be radically cut to a running time of 30 minutes. When Vora refused, the academy forced her to abandon the project and confiscated the footage. What has survived is a secretly made copy of the rough cut material she had personally purloined; it is this digitally restored version that we are showing.
Introduction by Tobias Hering. He is a curator and writer and has carried out long-term research into Chetna Vora.
GDR 1981 by Chetna Vora, documentary, 142 min., Ger. original version with Engl. Subtitles