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„Expedition 4x6“ führt in die Tiefsee

Entdeckungsreise in Kubus und Theater

Ein Sensationsfund: Das alte Expeditionsschiff, vor über hundert Jahren aufgebrochen um die Tiefsee zu erforschen, ist hier in Leipzig auf Grund gelaufen. Das Wrack überwuchert. Der Blick nach unten frei in die Tiefen des Meeres,

Risse in der Erde sind zu erkennen. Ab und zu leuchtet ein fremdes Tier kurz auf. Der Blick nach oben–versperrt. Wir sehen nichts als Müll. Plastik der Zivilisation, wiederausgespuckt vom Meer, das daran zu ersticken droht.

Im dritten Kapitel der „Expedition 4x6“ erforschen und erfahren die Besucher:innen im Kubus am Naturkundemuseum einen weitgehend unbekannten Raum. Die Tiefsee beginnt schon 200 Meter unter der Meeresoberfläche, dennoch wissen wir viel weniger über sie als über das ferne Weltall. In völliger Dunkelheit der Meerestiefen ist es aber nicht etwa still. Schlangenstern, Gespensterfisch und Peitschenangler sind nur einige der Kreaturen, die tief im Wasser leben. Die Tiefsee steht auch für die Untiefen unserer Erinnerung, für das Unbewusste, das Verdrängte. Das Meer erzählt Geschichten über das Vergessen und Erinnern.

In Theater und Vorträgen wurde die aktuelle Tiefseeforschung beleuchtet und Geschichten über den unbekannten Raum unter dem Meer erzählt. Unter anderem konnten Besucher:innen die erste große Expedition zur Erforschung der Tiefsee kennenlernen: 1898 brach der Leipziger Zoologe Carl Cuhn mit dem Forschungsschiff Valdivia in den Atlantischen und Indischen Ozean auf. Sein Reisetagebuch zeugt noch heute von der Mission. In Workshops am Naturkundemuseum erlebten Forscher:innen ab sechs Jahren die sonderbaren Lebewesen der Tiefsee.

Ein Kooperationsprojekt von Schaubühne Lindenfels und Naturkundemuseum Leipzig März bis Juni 2020.

Ein virtueller Rundgang durch den Kubus „Tiefsee“. Die Installation vor dem Naturkunde-museum Leipzig ist Mittelpunkt des Projektes EXPEDITION 4x6.

Die Kreaturen der Tiefsee faszinieren die Wissenschaft und inspirieren die Literatur.

Auszug P. Celan: Der Traum vom Traume; Video: Thadeusz Tischbein

Die Valdivia-Expedition (1898-1899) war die erste groß angelegte deutsche Expedition zur Erforschung der Tiefsee. Ihr Initiator und wissenschaftlicher Leiter war der Zoologe Carl Chun.

Der Videopodcast „School’s out!?“ des Naturkundemuseums Leipzig erklärt, wie sich Organismen an die Tiefsee anpassen.


Deep Sea / Tiefsee

Leipzig Underground Opera presents

Wie klingt die Tiefsee? Eine Auswahl von Liedern und Arien die sich mit dem Element Wasser und der Sehnsucht nach beinahe unzugänglichen Orten befassen.

Ein Konzert der Leipziger Operngruppe Leipzig Underground Opera (ehemals opera on tap).


Jeder einzelne Kubus der vier Kapitel ist das Ergebnis vieler Stunden szenografischer Arbeit. Die Skizzen von Lisa Schiller-Witzmann (Bühnenbild Kubus) zeigen die Entwicklung der Idee.

Die Zukunft der Unterseeboote

Jules Verne

Trotz all meiner gegenteiligen Beteuerungen wird mir in der Öffentlichkeit immer wieder die Erfindung des Unterseeboots zugeschrieben oder doch zumindest, als Erster auf diese Idee gekommen zu sein. Wohl aus demselben Grund erweist mir Answers die Ehre, mich nach meiner Meinung über die Zukunft der Unterseeboote zu fragen.

​Lassen Sie mich zunächst einmal Schluss machen mit der Legende, die unbedingt will, dass ich das erste Unterseeboot geschaffen habe. Wenn man ein wenig nachforscht, wird man leicht feststellen können, dass viele Jahre – mindestens fünfzig – vor meiner Beschreibung der Nautilus [Unterseeboot aus „20.000 Meilen unter den Meeren“, Anm. d. Red.] zahlreiche Nationen, darunter besonders Italien, versucht haben, solche zu bauen. Alles, was ich getan habe, geschah mit dem Privileg der Verfasser fiktionaler Literatur und mit der Methode, mit Siebenmeilenstiefeln über alle wissenschaftlichen Schwierigkeiten hinwegzuspringen und auf dem Papier zu schaffen, was andere materiell zu verwirklichen suchten.

​Was Ihre Frage angeht, so glaube ich – indem ich mich ausdrücklich dagegen verwahre, Prophezeiungen anstellen zu wollen -, dass die Unterseeschifffahrt niemals ihr ausschließlich militärisches Betätigungsfeld verlassen wird.

So, wie ich sie beschrieben habe, wird es die Nautilus niemals geben. Mit anderen Worten, Unterseeboote werden niemals als transatlantische Passagier- oder Handelsschiffe genutzt werden. Möglicherweise wird man einmal ein Mittel finden, um einen oder zwei Tage lang bequem atmen zu können, niemals wird man es jedoch zustande bringen, dass Hunderte von Passagieren während einer langen Überfahrt über genügend Luft verfügen. Und selbst wenn man dieses Ziel erreichen sollte, wird der Wasserdruck in entsprechender Tiefe die Schifffahrt unmöglich machen oder das Gefährt beschädigen. Bedenken Sie die Größe, die ein solches Transatlantikschiff haben müsste, bedenken Sie, wie langsam es wegen des Wasserwiderstands vorankäme, und sagen Sie mir dann, ob Sie jemals an eine regelmäßige Verbindung zwischen London und New York glauben! 

​Und was würde man gewinnen, wenn man diesen Weg einschlüge? Würde man in der Tiefe des Ozeans ebenso schnell fahren wie das Passagierschiff auf seiner Oberfläche, und würde der Vorteil, der Seekrankheit keinen Tribut mehr entrichten zu müssen, wirklich die Nachteile einer solchen Fahrt aufwiegen?

Ich wiederhole: Die Zukunft des Unterseeboots liegt ausschließlich in der Kriegsführung. Mit der Zeit wird jede Nation über eine zahlreiche und wendige Nautilus-Flotte verfügen, und zwar von Schiffen in Miniaturform. Ein jedes dieser kleinen Fahrzeuge (denn ich glaube, sie werden kleiner ausfallen als die heutigen und nur ein oder zwei Mann an Bord haben) wird in der Lage sein, mit mathematischer Präzision Torpedos auf Panzerschiffe abzufeuern und sie in die Luft zu jagen. Ich glaube nicht, dass man eine Verteidigungsmöglichkeit entwickeln kann, um sich gegen die Wendigkeit und vor allem die Unsichtbarkeit dieser perfiden Unterseeboote zur Wehr zu setzen. Und ich bin überzeugt davon, dass ihr Einsatz in einer mehr oder weniger weit entfernten Zukunft zwangsläufig das Ende der Seekriege herbeiführen wird, die zu gefährlich und zu ungewiss sein werden.

​Ich habe kürzlich mit großer Aufmerksamkeit die Manöver der französischen Flotte im Mittelmeer und der englischen im Atlantik verfolgt und war beeindruckt, wie es den Unterseebooten gelang, unerkannt zwischen den Schiffen dahinzugleiten, sie zu torpedieren und sich ohne Gefährdung wieder zurückzuziehen.

Stellen Sie sich nun den vereinten Angriff von hundert derartiger Schiffen mit ihren furchterregenden Eignungen vor. Glauben Sie, dass eine menschliche Erfindung ihrer entsetzlichen Macht Einhalt gebieten könnte? Der Wasserwiderstand, die Tiefe, in die das Unterseeboot tauchen kann, die Unmöglichkeit, seine verborgenen Bewegungen zu kontrollieren – all dies macht aus ihm die gefährlichste Kriegswaffe, die der Mensch jemals entwickelt hat. In einigen Jahren, wenn ich selbst schon unter der Erde ruhen werde, wird diese entsetzliche Macht noch größer geworden und jeder Seekrieg unmöglich sein. Da ich ein Freund des Friedens bin, freue ich mich über ein derartiges Ergebnis. 

Zuerst erschienen in der Zeitschrift Answers unter dem Titel „The Future of the Submarine“, 1902.

Aus den Tiefen des Weltmeeres

Carl Chun 1900

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