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Ein begehbarer Kubus zwischen Forschung und Fiktion.

Eine verlassene Forschungsstation. Der Schreibtisch ist von wilden Pflanzen überwuchert, alte Landkarten verwittern. Man erzählt sich Geschichten von fernen Ländern und packt dabei die Kisten für die nächste Forschungsreise. Geht es an den Polarkreis oder in die Tiefsee? Wie erobert der Mensch die Welt, wie holt die Natur sie sich zurück und ist die

faszinierende Vielfalt der Arten noch zu retten? Im Kapitel „Wildwuchs“ entdecken wir die Welt aus der Sicht des Leipziger Forschungsreisenden Eduard Friedrich Poeppig. Seine verlassene Forschungsstation wurde von der Natur längst zurückerobert und mitten in Leipzig neu aufgebaut.

 

Ein Kooperationsprojekt von Schaubühne Lindenfels und Naturkundemuseum Leipzig, September bis November 2019

 

Im September 2019 startete die Expedition 4x6 mit der Eröffnung des Kubus – Kapitel I „Wildwuchs“

„Herz der Finsternis“ – ein Stück nach dem gleichnamigen Buch von Joseph Conrad. Die Wildnis als Ort, an dem der europäische Narzissmus sichtbar wird. Die Premiere fand in der Schaubühne Lindenfels im Oktober 2019 statt.

Ein Blick in den Kubus „Wildwuchs“ – die verlassende Forschungsstation des Leipziger Forschungsreisenden Eduard Friedrich Poeppig.

REISE IN CHILE, PERU UND AUF DEM AMAZONENSTROME

während der Jahre 1827–1832, 2 Bände, Leipzig 1834–1836

Von Eduard Friedrich Poeppig

Eduard Friedrich Poeppigs (1798-1868) umfassende Sammeltätigkeit und die anschließende Aufarbeitung sind bis heute, ähnlich wie das Schaffen Alexander von Humboldts, von herausragender Bedeutung für die Wissenschaft. Auszüge aus seinen Reiseberichten.

„Während in den Anden von Santa Rosa alle Berge ohne Pflanzenerde und Vegetation in starrer Unnützlichkeit aufeinander gethürmt sind, steigen sie um Antuco stufenweise empor und entwickeln in gleichartigen Zonen die herrlichste Vegetation. Grüne Wiesen, mit dem üppigem Grad des Nordens geschmückt und von nie versiegenden Bächen durchrieselt, wechseln mit hochstämmigen Wäldern aus Buchen und chilenischen Cypressen, und an den wenigen bewohnten Orten reift der Weizen. Die Luft ist rein und elastisch und scheint verdoppelte Kraft und Lebensmuth durch den Körper zu verbreiten. Der herrlichste Gegenstand des langen Thals bleibt der Vulkan, der frei sich dem Blick darbietet, durch seine große Thätigkeit und die vielen Phänomene der Lichtstrahlenbrechung des Beobachters Aufmerksamkeit allein zu fesseln vermöchte. Zwischen einem Kreise dicker, grauer Dünste wird der schwärzliche Kegel auf dem dunkelblauen Hintergrunde sichtbar, herrlich erglänzen am Abend die Lavaströme, die glühend und sich kreuzend an seinen Seiten verlaufen, und nur mit der Tageshelligkeit schwindet ihr röthliches Licht.“

"Es ist fast unmöglich, in botnaischer Hinsicht etwas Neues aus Cuba, vielleicht aus Westindien, zu liefern, was der Mühe wert wäre. Bei allem Schweiße, den man vergießt, allem Suchen und Strapazen, die, Gott weiß es, nicht geringer sind, als auf der anderen Seite der Gefahr, entweder erschlagen zu werden oder als ein Opfer der Kklamis zu fallen, hat man am Ende blutwenig Belohnung. Mit Erwartung und Eifer macht man sich über den vollen Sack her, den man von einer Excursion des gestrigen Tages, nach einem halsbrecherischen Mitternachtsritte durch einsame, tote, pfadlose Wälder glücklich heimbrachte."

"Man findet zu seiner unendlichen Freude, dass [Carl Ludwig] Wildenow, [Olaf Peter] Swartz, [Christian Hendrik] Persoon nichts der Art haben, aber leider Gottes steht es im [Johann Jacob] Römer und [Josef August] Schulters oft freilich kauderwelsch genug beschrieben. Und dann gar Humboldt, der hat die neue Art gewiss, die mir so viel Schweiß kostete und mich so erfreute. ...ich habe, um sie [die Königspalme Oreodoxa regia, heute: Roystonea regia] zu bekommen, im Schweiße meines Angesichts den Baum umgehauen, was der reiche Humboldt gewiss nicht gethan, und habe auf einem Beine getanzt, als im Persoon kein Charakterzug passte."

"Da kommt Humboldts Werk, und meine neue Palme, Beschreibung, Zeichnung – alles adieu... Ich habe alle Hoffnung aufgegeben, so viele neue Arten aufzutreiben, um eine beabsichtigte Flora Cubensis zu edieren; denn höher als 40-50 werde ich es wohl nicht bringen, und von einer Reise nach Westindien zurückkommend so winzig und pauver [gemeint ist wohl frz. „pauvre“, „ärmlich, dürftig“] aufzutreten, ist schlimmer als gar nichts aufzutreiben. Die Leute denken nun einmal in Europa, wenn einer in Westindien den Fuß ans Land setzt, so muss er dadurch gleich ein halbes Dutzend Novea Species zerquetschen [...].“

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