Spielplan
RETROSPEKTIVE MARGUERITE DURAS “POUR UN AUTRE CINÉMA” (FÜR EIN ANDERES KINO)
„Meine Filme sind politisch, ohne über Politik zu sprechen”, so Marguerite Duras (1914-1996) selbst. Sie wurde als Marguerite Donnadieu in Gia Định, Französisch-Indochina, geboren und ist heute vor allem als femme de lettres bekannt. Dabei war sie spätestens mit L’Amant (Der Liebhaber) nicht nur eine der wichtigsten französischen Schriftsteller:innen des 20. Jahrhunderts, sondern auch eine der bedeutendsten linken Intellektuellen und eine visionäre Regisseurin.
Zwischen 1966 und 1984 widmete sie sich ganz dem Kino und drehte neunzehn Avantgarde-Filme. Ersten Kontakt mit dem Medium machte Duras durch ihre Arbeit an HIROSHIMA, MON AMOUR. Sie schrieb nicht nur das Buch, sondern stand während des Drehs in ständigem Austausch mit Alain Resnais. Die Radikalität, die alle ihre Filme auszeichnet, wird in dem programmatischen Titel ihres Debütfilms DÉTRUIRE, DIT-ELLE (Zerstören, sagt sie) deutlich. INDIA SONG wurde in den 80ern unter Cinephilen in Paris zum Kultfilm. In Form eines Gedichts kritisiert Duras die Dekadenz der Weißen, verkörpert von Delphine Seyrig. In DES JOURNÉES ENTIÈRES DANS LES ARBRES kommt Duras wiederum den Romanen, in denen sie ihr Aufwachsen beschreibt, sehr nahe. Anders als bei ihren (männlichen) Zeitgenossen der Nouvelle Vague wurden ihre Filme erst nachträglich in den Kanon der Filmgeschichte aufgenommen. Ein Umstand, den wir, 30 Jahre nach ihrem Tod, auch in Leipzig ändern möchten.
Synopsis:
Kalkutta 1937: Die Botschaftergattin Anne Marie Stretter bekämpft ihre Langeweile und die unerträgliche Hitze mit Affären mit verschiedenen Männern. Während eines Empfangs trifft sie auf den ehemaligen Vize-Konsul der Französischen Botschaft, der entlassen wurde, nachdem er auf Lepra-Kranke geschossen haben soll. Die Stimme einer laotischen Bettlerin, die durch den Park streift, durchbricht das dekadente Gelage. INDIA SONG ist Duras’ berühmtestes Werk. Ein Spukhausfilm, der seinesgleichen sucht. Nach ihrem gleichnamigen
Theaterstück aus dem Jahr 1973, inspiriert von ihrem Roman LE VICE-CONSUL (1966).
FR 1975, R: Marguerite Duras, Darsteller:innen: Delphine Seyring, Michael Longsdale, Musik: Carlos d’Alessio, 120 Min.; FSK 12
Dans l’Inde britannique des années 1930, à l’ambassade de France de Calcutta, des voix évoquent le souvenir d’Anne-Marie Stretter, autrefois épouse de l’ambassadeur. Un soir, lors d’une réception et dans la torpeur estivale de la mousson, le vice-consul de France à Lahore lui avait crié son amour. Œuvre la plus célèbre de Marguerite Duras, INDIA SONG est adapté de sa pièce de théâtre éponyme publiée en 1973, pièce elle-même inspirée de son roman LE VICE-CONSUL publié en 1966.