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Zucker.Rausch.Germania

Station 1/4

MERRY-GO-ROUND-GO-ROUND

Brno, ein verlassener Platz

— Installation auf dem Mendlovo náměstí, Brno | 29. Juli bis 1. August 2021 —

Ein verwittertes Karussell dreht sich schwerfällig und einsam auf einer von Straßenbahngleisen umschlossenen Verkehrsinsel im Zentrum von Brno. Einzig ein letztes Pferd befindet sich noch auf der ansonsten leeren Plattform. Diese Installation erzählt vom Verschwinden.

Die Schaubühne Lindenfels wurde eingeladen, im Rahmen des Festivals „Meeting Brno“ einen Beitrag zu leisten. Zudem entstanden Zusammenarbeiten mit einem tschechisch-deutschen Schüler:innenaustausch zum Thema Erinnerungskultur. Auch der Schriftsteller Jaroslav Rudiš tritt diese Reise an. Seine Werke schreibt er sowohl in deutscher als auch tschechischer Sprache.

Identität, Vielfalt und Vertreibung

Die Geschichte Brnos und Mährens ist eine von Identitätsbildung, Unterdrückung und Vertreibung. Als zweitgrößte Stadt Tschechiens und Hauptstadt der Region Mähren war sie Jahrhunderte Teil der Habsburgermonarchie. In der Phase der Ersten Tschechischen Republik von 1918 bis 1938 lebten die tschechische, deutsche und jüdische Bevölkerung in relativem Frieden nebeneinander. Mit der deutschen Expansionspolitik und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges endete diese kulturelle Vielfalt: Nach der Besetzung und Terrorisierung Tschechiens und der Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bürger:innen kommt es nach Kriegsende 1945 zur Vertreibung der deutschsprachigen Einwohner:innen. Am 31. Mai 1945 werden sie in Brno gesammelt und Richtung österreichische Grenze getrieben. Auf dem Weg sterben mehrere Tausend Menschen. Die Erinnerung an Verlust und Verschwinden ist Teil der kulturellen Identität Brnos geworden. Auf diese Leerstellen verweist das Kunstprojekt im Rahmen des Festivals.

Partnerschaften: Festival Meeting Brno | 20. Oberschule Leipzig | ZŠ Bakalka Brno | Referat für Internationale Zusammenarbeit der Stadt Leipzig | Jaroslav Rudiš

 

Beteiligte Künstler:innen:

René Reinhardt (Idee & Konzeption)

Elisabeth Schiller-Witzmann (Szenografie)

Robert Frenzel (Skulptur)

Thadeusz Tischbein (Video)

Die vier Stationen

Station 1/4: Brno, ein verlassener Platz

— Installation auf dem Mendlovo náměstí, Brno | 29. Juli bis 1. August 2021 —

Ein verwittertes Karussell dreht sich schwerfällig und einsam auf einer von Straßenbahngleisen umschlossenen Verkehrsinsel im Zentrum von Brno. Einzig ein letztes Pferd befindet sich noch auf der ansonsten leeren Plattform. Diese Installation erzählt vom Verschwinden.

Die Schaubühne Lindenfels wurde eingeladen, im Rahmen des Festivals „Meeting Brno“ einen Beitrag zu leisten. Zudem entstanden Zusammenarbeiten mit einem tschechisch-deutschen Schüler:innenaustausch zum Thema Erinnerungskultur. Auch der Schriftsteller Jaroslav Rudiš tritt diese Reise an. Seine Werke schreibt er sowohl in deutscher als auch tschechischer Sprache.

Station 2/4: Leipzig, ein verschwundenes Denkmal

— Installation auf dem Leipziger Marktplatz | 21. August bis 17. September 2021 —

Das „Ding“ steht wieder auf dem Markt. Aber anstelle eines Kriegsmonuments, das unter dem Namen „Leipziger Siegesdenkmal“ diesen Ort 60 Jahre lang dominierte, nimmt jetzt die temporäre Installation „Zucker.Rausch.Germania“ seinen Platz ein.

Auf die einst aus Kupfer getriebene, vier Meter hohe Germania verweist nur noch ihr verbeulter Helm und ihr verrußtes Schwert. Die bronzenen Fahnenträger sind längst verschwunden. Von den vier überlebensgroßen Reiterstatuen ist nur ein einziges stürzendes Pferd geblieben. Beschaffen aus vergänglichem Material – weißem, kristallenem Zucker –, dreht es sich auf der leeren Plattform eines zerschlissenen Karussells.

Station 3/4: Berlin, ein 1. September

— Künstlerische Intervention | 1. September 2021 —

1. September 2021 – Weltfriedenstag: Um 5:45 Uhr zieht ein Bauer mit Pferdegespann und Pflug seine Kreise um die Siegessäule. Ein historisches Bild wird rekonstruiert und erinnert. 1946 bauten die Berliner:innen im zerstörten Tiergarten Gemüse an – darunter auch die Zuckerrübe, Symbol des Aufstiegs Preußens und Nahrungsgrundlage in den Nachkriegstagen. Die eingerahmte Aufnahme zeigt zugleich das gesamte Ausmaß der Zerstörung.

Station 4/4: Strasbourg, zwölf Tableaux vivants

— Performative Intervention —

Nach ihren Aufführungen in Leipzig präsentiert die Groupe Tongue unter der Regie von Mathias Moritz in ihrer Heimatstadt Strasbourg erneut zwölf Tableaux vivants – je ein Tableau für einen Stern auf der europäischen Flagge. Mit ihren „lebenden Bildern“, einem theatralem Spiel zwischen Geschichte und Gegenwart, stellen sie historische Bezüge her, u. a. zur Belagerung Strasbourgs und werden Teil des Gedenkens und Erinnerns.


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